Hauptstadtgespräch

Was ist eigentlich eine Gerontologin? Ein Interview mit Carolin Makus

10. August 2016
Zeichnung von mehreren Gesichtern, die ineinander übergehen

Diese Frage hat Carolin Makus schon von so ungefähr jedem gehört, dem sie sich vorstellte. Und auch wir konnten sie uns nicht verkneifen. Und die Antwort? Grob zusammengefasst beschäftigt sich eine Gerontologin mit dem Alter und Altern – und somit mit einem unglaublich großen Feld. Denn es geht nicht nur um hochwertige Altenpflege, sondern um alle Aspekte des Lebens und des Miteinanders von Jung und Alt.

Die junge Berlinerin hat sich dem Thema Alter und Medien verschrieben und mit Knitter-Ritter ein Netzwerk für all diejenigen geschaffen, die die Generationenfrage nicht nur als Umschreibung für leere Rentenkassen verstehen.

Elevator Pitch: Beschreibe dich in 30 Sekunden

Mein Name ist Carolin Makus, ich bin 25 Jahre alt und wohne in Berlin. Ich bin Gerontologin, habe also die Wissenschaft des Alters und Alterns studiert. Seit September 2015 arbeite ich als Freelancerin im Themen-Querschnitt von Alter und Medien und bin dabei vor allem redaktionell und konzeptionell unterwegs. Aktuell rufe ich den Blog Knitter-Ritter ins Leben und freue mich auf schräge Zeiten. Er wird die Themen Zeit, Alter und Generationen in den Blick nehmen.

Seit wann bist du in Berlin?

Ich bin in Berlin geboren, mittendrin. Hier ging es los. Weiter ging es im Grünen. Nach dann 14 Jahren im Berliner Vorort Falkensee sowie nach drei Jahren im Niedersachsen-Idyll Vechta kam ich 2014 zurück in die Hauptstadt. Während Berlin für mich der Nabel der Welt ist, zieht es mich dann und wann auch mal in die Ferne. Bestimmt auch mal für länger. Aber ich bin mir ziemlich sicher, immer hierher zurückzukehren.

Zeichnung des Fernsehturms vor groben Häusern

Berlin – für Carolin Makus Geburtsort und Nabel der Welt zugleich | Zeichnung: Carolin Makus

Welcher ist dein Lieblingskiez?

Berlin ist ja stets im Wandel und so verändern sich auch die Ecken, in denen ich gern unterwegs bin. Am besten gefällt mir eigentlich der bunte Mix. Morgens durch den Tiergarten rennen und abends im Reuterkiez alberne Eis-Sorten kosten. Ich werde oft belächelt, wenn ich sage, dass auch der Potsdamer Platz zu meinen Lieblingsorten gehört. Zu touristisch, überhaupt nicht Berlin, sagen immer alle. Ist mir schnuppe, mir gefällt das internationale Durcheinander dort.

Was machst du in deiner Freizeit?

In meiner Freizeit male ich viel. Ich habe die Theorie, dass alles gut aussieht, wenn man es auf eine Leinwand bringt, die riesig ist. Daher bin ich meist auf Großformat „unterwegs“. Kürzlich hatte ich meinen ersten Bildhauerkurs, seitdem hat mich auch dieses Handwerk gepackt.

Junge Frau arbeitet an einer Skulptur

Carolin Makus bei einem Bildhauerkurs | Quelle: Carolin Makus

Wenn es das Wetter erlaubt, bin ich außerdem gern am oder auf dem Wasser unterwegs. Ansonsten gefällt mir wohl, was den meisten gefällt: Zeit verbringen mit guten Freunden oder mit der Familie und gekonnt das Leben genießen. Man findet mich eher in Bars als in dröhnenden Clubs. Eigentlich immer da, wo guter HipHop, Funk oder RnB-Variationen gespielt werden. Für Poetry Slams habe ich auch einiges übrig, aber nur, wenn es humorgeladen ist.

Und was machst du dazwischen?

Den Großteil des Tages schreibe ich. Ich schreibe beruflich Texte für Blogs, Magazine und Portale, schreibe Texte für meinen Autoren-Lehrgang an der Freien Journalistenschule Berlin und Skripte für eine Webshow, die ich zusammen mit der Jungen Presse Berlin auf die Beine stelle.

Welle aus dem Wort schreiben

Schreiben ist Carolins Hauptbeschäftigung – neben Zeichnen und Malen | Zeichnung: Carolin Makus

Wenn ich nicht mehr sitzen kann oder Laptop-blind geworden bin, gehe ich rüber zum Quatsch Comedy Club. Dort helfe ich beim Stühlerücken und mache aufgeregten Künstlern Tee. Der Quatsch Comedy Club sucht für die Wintersaison übrigens noch nach tatkräftiger Unterstützung beim Abendspieldienst. Ich kann das Team nur jedem ans Herz legen. Meine Stelle dort wird frei, weil ich mich auf die schreibende Zunft konzentriere und der Blog viel Zeit verdient.

Worum genau geht es bei deinem Blog?

Der Blog hört wie gesagt auf den Namen Knitter-Ritter und ist im Grunde das Sprachrohr des gleichnamigen Netzwerkes, dass ich 2014 nach dem Studium gegründet habe.

Zwei Krückstöcke verkreuzen sich zu einem Wappen

Das Logo des Blogs Knitter-Ritter | Zeichnung: Carolin Makus

Angelehnt an den fachlichen Hintergrund des Netzwerkes wird es auf dem Blog um die Themen Zeit, Alter und Generationen gehen. Dabei sollen aktuelle gesellschaftliche Dynamiken und Trends humorvoll reflektiert und weitergesponnen sowie früheren Gegebenheiten gegenübergestellt werden.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Dem Blog ging die „Gründung“ eines informellen Netzwerkes voran. Ganz ohne Mitgliedsbeitrag, Mitgliedsantrag und all diese Schikanen. Vielleicht ist Community ein treffenderes Wort? Das Knitter-Ritter Netzwerk, bzw. die Community, habe ich damals als frisch gebackene Gerontologie-Bachelorette ins Leben gerufen, um all die interessanten Geister aus dem Studium miteinander zu verbinden, ohne dass direkt in eine entsprechende Fachgesellschaft eingetreten werden muss. Gerontologen und Gerontologie-Interessierte sind rar gesät. Wenn sich zwei treffen, ist die Freude immer groß. Daher machte es eigentlich nur Sinn, eine „Instanz“ zu kreieren, die auch über das Studium hinaus verbindet. So behält man sich im Blick. Der Blog wird nun Herzstück der Knitter-Ritter Community werden, zumindest inhaltstechnisch. Die Kommunikation untereinander aber wird wohl nach wie vor über die Facebookseite laufen.

Was willst du damit erreichen?

Themen wie Alter, Zeit und Generationen sind in aller Munde, aber werden oft nur oberflächlich behandelt. Der Blog nimmt den interessierten Leser mit auf einen kleinen Tauchgang. Er gibt Einblick in meine Arbeit als freiberufliche Gerontologin, will Impulse schaffen und informieren. Zum Schmunzeln soll er einladen und zum „Hach!“, „Soso?!“ und „Sieh an!“. Verschiedene Generationen faszinieren sich wohl von Natur aus gegenseitig. Der Blog greift diese Dynamik auf und arbeitet damit.

Mit Hinblick auf die nächsten Jahre sind wir außerdem gut daran getan, wenn wir einander besser verstehen. Mehr und mehr ältere Menschen treffen auf jüngere Menschen, die die Welt zum Teil nur digitalisiert kennen. Man spricht und denkt oft aneinander vorbei. Es fehlt an vielen Stellen die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Der Blog kann hier als humorvoller Katalysator gesehen werden.

Zeichnung vieler Gesichter, die ineinander übergehen

Themen wie Alter, Generationen …

Zeichnung einer Sanduhr

… und Zeit werden auf Knitter-Ritter behandelt | Zeichnungen: Carolin Makus

Wo kann man mehr über dich und dein Projekt erfahren?

Auf meiner Homepage www.carolinmakus.de stelle ich alle meine Projekte vor und dort wird ab August 2016 auch der Blog online gehen. Mitreden kann man am besten bei Facebook: Knitter-Ritter. Bei Instagram bin ich eher privat unterwegs, freue mich aber über interessante Kontakte (@carolinmakus). Twitter habe ich jahrelang ignoriert, kürzlich aber lieben gelernt. Findet mich, @CarolinMakus.

Hast du einen Traum, privat oder beruflich?

Ich würde gern in netter Gesellschaft um die Welt reisen und dabei von den verschiedenen Kulturkreisen lernen, wie mit dem Thema Altern und Sterben umgegangen wird. Der Sci-Fi-Fan in mir würde sich außerdem darüber freuen mitzuerleben, wie wir das ganze Thema Digitale Unsterblichkeit anzupacken versuchen.

Welchen Berliner Ort kannst du uneingeschränkt empfehlen?

Das Naturkundemuseum. Im Sommer kalt, im Winter warm. Außerdem hat es etwas Beruhigendes, sich die Dinosaurier anzugucken. Man lernt, sich und seine Problemchen nicht allzu wichtig zu nehmen, und wird daran erinnert, lieber mal das Leben zu feiern.

Danke, Carolin, für das tolle Interview!

 


 

Autor-bildVerena Metzler ist begeisterte Wahlberlinerin und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Neuberlinern und Touristen das Berlin zu zeigen, das sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade verbirgt. Hauptberuflich arbeitet sie als freie Lektorin und Texterin.

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1 Comment

  • Reply Es geht los. – Knitter-Ritter 21. August 2016 at 14:13

    […] Das ist er. Der erste Beitrag von vielen. Worum wird es hier auf dem Blog genau gehen?Und wer schreibt hier? All das erfahrt ihr im Interview, das Verena Metzler von Sehenswürdigkeiten-Berlin kürzlich mit mir führte: Carolin Makus von Knitter-Ritter im Hauptstadtgespräch. […]

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